Skiferien mit bitterem Beigeschmack

Als alleinerziehende Mutter stösst man noch immer auf viel zu viele Vorurteile. Ein Erlebnisbericht aus dem Urlaub.

Wir geschiedenen Mütter sind mit unzähligen Vorurteilen behaftet. Die erste Frage im Kopf des Gegenübers lautet doch im Grunde immer «Warum ist sie geschieden?» Ist sie eine faule Hausfrau oder eine miese Köchin? Vielleicht ist sie zu wenig leidenschaftlich im Bett? Zu aufmüpfig oder gar zu fordernd? Auf alle Fälle sind wir selber schuld, weil wir uns mit dem falschen Mann eingelassen und mit diesem sogar noch Kinder in die Welt gesetzt haben. Etwas muss mit uns geschiedenen Frauen nicht stimmen, so die Annahme.


Darum wurden wir verlassen und stehen mit unseren Kindern alleine da. So einfach ist das. Immer wieder fällt mir auf, wie sehr alleinerziehende Mütter schubladisiert werden. Man bezeichnet uns als Schmarotzerinnen, die vom Geld des Ex leben oder vom Staat unterstützt werden. Dass eine Frau auch finanziell auf eigenen Beinen stehen kann, ist bei gewissen Menschen offenbar nicht angekommen. Kürzlich hatte ich wieder so ein beispielhaftes und haarsträubendes Erlebnis, von dem ich hier berichten möchte.


Erholung pur und eine bodenlose Frechheit

Mama geniesst die Auszeit. Es sind Sportferien und die verbringe ich mit meinen Kindern am liebsten in den Bergen. Natürlich ist so ein Skiurlaub mit zwei Kindern nicht gerade billig, aber diese Ferien sind es uns wert und wir sparen gerne darauf. Schliesslich teilen wir drei uns die Begeisterung für Schnee und viel Bewegung an der frischen Luft. Dazu kommt, dass wir endlich Zeit zum Quatschen haben. Zeit, die im Arbeits- und Schulalltag leider oft fehlt. Am Abend wetteifern wir bei Gesellschaftsspielen um den Gewinnerplatz, geniessen feines Essen und gehen früh zu Bett. Die Kinder finden sich wie jedes Jahr schnell zurecht und schliessen Freundschaften mit anderen Kindern im Hotel und in der Skischule. Davon profitiere natürlich auch ich. Endlich komme ich in meinem Kriminalroman voran, kann interessante Gespräche mit anderen Eltern führen oder einfach nur am offenen Kamin vor mich hinträumen. Erholung pur. Es tut mir gut, mal die Seele baumeln zu lassen und aufzutanken. Mein Alltag ist durchgetaktet und nur selten bleibt da Zeit für mich selbst.


Nun aber zu besagtem Vorfall, der mir zum wiederholten Male vor Augen geführt hat, wie viele Vorurteile in unserer Gesellschaft in Bezug auf geschiedene Mamas vorhanden sind. Nach dem Frühstück, die Kinder waren längst aus dem Speisesaal verschwunden, sass ich noch am Tisch, nippte an meinem Milchkaffee und las die Tageszeitung. Ein netter junger Serviceangestellter räumte das Geschirr ab. Zu meinem grossen Erstaunen fragte er mich aus heiterem Himmel, warum der Papa der Kinder denn nicht mit uns in den Skiferien sei. Auf meine Antwort, ich sei alleinerziehend, entgegnete er: «Ah toll, der Alte bezahlt den ganzen Luxus und Sie lassen es sich auf seine Kosten gut gehen!» Ich war dermassen perplex, dass mir keine Antwort auf seine bodenlose Frechheit einfiel und ich für einige Sekunden mit offenem Mund sitzen blieb. Wahrscheinlich war es das Beste, dass er sich schnell wieder seiner Arbeit zuwandte und die anderen Tische aufräumte, bevor ich reagieren konnte.


Seine Bemerkung hallt jedoch noch immer in meinem Kopf nach. Sie macht mich gleichermassen wütend und traurig. Vielleicht sollte ich einfach darüberstehen und zur Tagesordnung übergehen – das Ganze lässt mir allerdings keine Ruhe. Ich finde die Einstellung des Serviceangestellten unverschämt. Zugleich weiss ich, dass er mit dieser Haltung in keiner Weise alleine dasteht.


Beurteilt und verurteilt

Ich bin nicht damit einverstanden, dass Singlemamas dermassen verurteilt und beurteilt werden. Zahlreiche von uns machen täglich einen harten Job – zu Hause und bei der Arbeit. Beanspruchen keinerlei Zustupf, weder vom Staat noch vom Kindsvater. Sicherlich bezahlen viele Väter ihrem Einkommen entsprechend Alimente für ihre Kinder, doch deswegen kann sich keine alleinerziehende Mutter einfach zurücklehnen und in Saus und Braus leben. Darüber hinaus gibt es auch etliche Frauen, die gar nichts bekommen, Vollzeit arbeiten und vielleicht noch einen Nebenjob haben. Andere müssen monatlich den zusätzlichen Gang zur Behörde für Alimentenhilfe vornehmen, damit diese die Unterhaltsbeiträge übernimmt und allenfalls bevorschusst, weil der Kindsvater nicht gezahlt hat.


Wer denkt, dass es ein Honigschlecken ist, für Kinder sowohl finanziell als auch emotional voll und ganz da zu sein und dabei gleichermassen Vater- und Mutterpflichten abzudecken, den/die muss ich enttäuschen. Viele Frauen stehen finanziell auf eigenen Füssen und wirtschaften äusserst bescheiden. Und wer sparsam haushaltet und auf gewisse Extras verzichtet, kann sich dafür zwischendurch auch mal einen Skiurlaub in einem Hotel leisten. Aber letztlich geht es niemanden etwas an, wie ich die Skiferien für mich und meine Kinder finanziere. Ich erwarte dennoch ein bisschen mehr Achtung, Taktgefühl und Toleranz für all jene Frauen, die sich tagtäglich den Hintern aufreissen, damit sie mit ihren Kindern Urlaub machen können. Übrigens sind mir mittlerweile allerlei Antworten für den sympathischen Kellner eingefallen. Doch belasse ich es bei «Reden ist Silber, Schreiben ist Gold».


Was hätten Sie dem Kellner geantwortet?



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