Lern Mama, Lern!

Weiterbildung statt Netflix: Warum es sich für Eltern lohnt, die Schulbank zu drücken.

Erwachsenenbildung gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Ich bin der Überzeugung, dass es viel weniger darauf ankommt, welchen Kurs man besucht, sondern dass man hin und wieder über den Tellerrand hinausschaut. Es ist wichtig, dass auch wir Eltern nicht stehen bleiben. Sei es im Beruf, in unserer Denkweise oder bei unseren Hobbies. Eine Abendschule soll die Interessen fördern, einen Ausgleich schaffen und den Horizont erweitern. Wer sich selbst Ziele setzt und sich nicht auf dem, was man bereits erreicht hat und weiss, ausruht, wird selbstbewusster und glücklicher. So steigern sich das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit.




In jeder Weiterbildung trifft man auf Menschen, welche die gleichen Interessen haben. Das ist eine wunderbare Chance, ein Hobby zu teilen und Gespräche ausserhalb Kinderfragen zu pflegen. Wir sind nicht nur Mutter oder Vater, sondern Fachleute in einer Interessengemeinschaft. Es ist ein Time-out aus dem gewohnten Umfeld. Wir tauschen temporär die Familienverantwortung zugunsten unseres Hobbys. In diesen Teams können wir Beziehungen aufbauen und gemeinsam neue Lösungen finden. Durch den Austausch werden wertvolles Know-how und neue Möglichkeiten für die Praxis gewonnen. Es macht Spass, gefordert zu sein und die Hirnzellen anzuregen. Und noch viel mehr Spass macht es, wenn man dabei erfolgreich ist.


Kinder auch mal loslassen

Gerade unter uns Müttern lauern viele Familienheldinnen, welche sich mit dem Gedanken «zu Hause läuft es auch ohne mich gut» enorm schwertun. Und genau für die Mütter (und Väter), welche sich vor allem der Familie und dem Haushalt widmen, ist ein Tapetenwechsel so wichtig. Hin und wieder Sinnvolles für sich selbst tun. Die Kinder auch mal loslassen.

Die meisten Frauen verzichten für die Familie auf ihre Anstellung oder reduzieren das Arbeitspensum auf ein Minimum. Heute haben wir die Möglichkeit, neben dem Familienleben eine weiterbildende Schule zu besuchen. Eine optimale Chance, im Arbeitsmarkt die Position zu behalten, sich trotz Familie in der Materie auszutauschen oder abseits vom Beruf auf aktuellem Stand zu bleiben.


Vielleicht braucht es für den Ausgleich auch etwas ganz anderes. In der Schweiz haben wir eine grosse Anzahl an Angeboten. Sei es, einen Schreib-Workshop zu besuchen, an Leseabenden teilzunehmen oder beim Töpfern der Kreativität freien Lauf zu lassen. Erinnern Sie sich an die Zeit der Tupperware-Partys? Ich war ehrlicherweise nie Fan davon. Doch könnte man auch das Produkt austauschen und eine Literatur-, Gestaltungs- oder Kulturgruppe bilden. Eine Gruppe von Menschen, welche sich in regelmässigen Abständen trifft und einem bestimmten Thema Raum gibt.


Mehr Selbstvertrauen durch Wissen

Wissen verleiht bekanntlich Macht. Tönt nach bösem Gauner, schon klar. Doch liegt es in unseren Händen, diese «Macht» zu erhalten und richtig zu nutzen. Für Gutes. Für Weiterführendes. Für uns selbst. Es hilft, informiert zu bleiben und die Meinung aufgrund von Hintergrund, Wissen und Überzeugung zu bilden. Wissen ist ein kostbares, persönliches Gut, welches uns niemand nehmen kann.


Die grösste Chance sehe ich tatsächlich darin, dass die Aneignung von Wissen unser Selbstbewusstsein stärkt. Es macht unglaublich Spass, zu merken, wie man sich weiterentwickelt, während man sich mit einer Materie auseinandersetzt. Der Wissenshunger macht Freude, sodass man noch mehr erfahren und umsetzen möchte. Interessante Gespräche, Ideenaustausch und Experimente beeinflussen uns vorteilhaft, was wiederum das Selbstvertrauen steigert. Eine Weiterbildung bedeutet zum einen mehr persönliche Zufriedenheit, aber auch Chancen zu beruflichem Aufstieg.


Gerade für Mütter ist der Spagat zwischen Familienleben und Beruf eine grosse Herausforderung. Teilzeitstellen mit Verantwortung sind rar, und bei der Rekrutierung stellen Arbeitgeber oftmals lieber Männer oder Frauen ohne familiäre Verantwortung ein. Mit Engagement und sichtbaren Weiterbildungen im Lebenslauf zeigen wir dem Arbeitgeber, dass wir interessiert und besser qualifiziert sind als andere Bewerberinnen*. Persönlich frischt man Vergessenes auf und erhält ein neues Bewusstsein für die tägliche Arbeit. Natürlich profitiert das ganze Team von frischem Fachwissen, und gut ausgebildete Fachkräfte können viel mehr in einem Unternehmen umsetzen und bewirken. Wer also weiss, dass er über mehr Wissen verfügt als andere, kann auch mit dem Konkurrenzdruck besser umgehen.


Wer rastet, der rostet …

Lernen und Wissen aneignen prägt die Persönlichkeit nachhaltig. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Alter man sich befindet. Gerade heute beweisen viele Grosseltern, wie sie durch Fleiss und Übung mit dem Computer oder Smartphone umgehen, eine neue Sprache oder ein Instrument erlernen. Der Effekt ist immer der Gleiche. Hirnzellen werden trainiert und besser durchblutet. So wird vorhandenes Wissen mit neuem verknüpft. Wenn ein bestimmter Gehirnbereich aktiviert wird, strömt das Blut zu den arbeitenden Zellen. «MRI-Aufnahmen zeigen, dass unsere Gehirnzellen (Neuronen) sehr abhängig von der Sauerstoffversorgung sind. Je mehr das Gehirn verwendet und die Neuronen aktiviert werden, umso mehr Blut erhalten sie.» Inaktive Gehirnzellen erhalten jedoch immer weniger Blut, bis sie schliesslich absterben.


Eltern, die eine Weiterbildung absolvieren, sind aber auch ziemlich coole Vorbilder für ihre Kinder. Die beste Erziehung ist und bleibt das gute Beispiel. Wir lehren Mut, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Wichtige Eigenschaften, welche wir unseren Kindern auf den Weg geben wollen. Auch das gemeinsame Lernen fördert den Lernprozess bei den Kindern, und wir können empathischer reagieren, wenn sich unser Kind über die vielen Hausaufgaben beklagt.


Gemeinsam am Familientisch zu sitzen und zu arbeiten ist nachweislich eine der besten Möglichkeiten, das Kind anzuspornen.



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